Die Entwicklung realer Anwendungen stellt an den Informatiker zwei recht gegensätzliche Anforderungen: Zum einen muss er Ingenieur sein und die Methoden seines Faches sicher beherrschen, zum anderen muss er teils vage formulierte, teils widersprüchliche Wünsche von Kunden berücksichtigen und dabei auch unausgesprochene Anforderungen aufdecken und mit in seine Planungen einbeziehen. Meist wird er zunächst auch dem Kunden helfen müssen, sein Problem so zu strukturieren, dass es für den Rechnereinsatz zugänglich wird.
Im Praktikum soll dieser Zwiespalt zwischen den wohlbekannten technischen Ansätzen und weichen Anforderungen anhand eines Projektes "Literaturverwaltung" erfahrbar werden. Als Benutzer konnte eine Gruppe von Studenten der Geschichte gewonnen werden, die tatsächlich bei jeder Haus- und Abschlußarbeit neu vor dem Problem stehen, die Bibliographie konsistent zu halten. Softwaretechnisch wird das Praktikum auf die Strategien von XP (Extreme Programming) aufbauen, um mit kurzen Iterationszyklen verläßliche und adäquate Software zu erhalten.